Wer einmal verstanden hat, wie einfach sich mit IFTTT-Logik Dinge automatisieren lassen, merkt schnell: da geht noch mehr! Denn wenn man Lust bekommt, auch komplexere Abläufe zu automatisieren – so wie meinen Poster-Generator aus dem ersten Serien-Beitrag – dann stösst man mit simplen Tools irgendwann an Grenzen.

Und dann steht sie da, die grosse Frage der Automatisierung: Soll ich Zapier nehmen? Oder Make? Zwei Plattformen, die beide versprechen, unser digitales Leben einfacher zu machen – aber das auf ganz unterschiedliche Art tun.

⚡️ Zapier: Einfachheit mit Grenzen

Zapier ist für viele der erste Berührungspunkt mit der Welt der Automatisierung – und das aus gutem Grund. Die Plattform punktet mit einer klar strukturierten Benutzeroberfläche, die auch für absolute Einsteiger verständlich ist. Das Erstellen sogenannter «Zaps» – also automatisierter Abläufe – funktioniert in wenigen Minuten, ohne dass man Programmierkenntnisse braucht. Besonders für Marketing-Teams, Freelancer oder kleine Unternehmen ist das ein grosser Pluspunkt: Sie können repetitive Aufgaben automatisieren, ohne IT-Unterstützung zu brauchen.

Ein weiterer Vorteil ist die riesige Auswahl an vorgefertigten App-Integrationen. Von Google Sheets über Mailchimp bis hin zu Trello – Zapier deckt viele gängige Tools ab und bietet oft gleich mehrere Templates für beliebte Anwendungsfälle.

Doch diese Einfachheit hat auch ihren Preis – und zwar nicht nur im wörtlichen Sinne. Sobald Prozesse komplexer werden, stösst Zapier an seine Grenzen. Verzweigungen, bedingte Logik oder Schleifen sind nur eingeschränkt und meist nur in höheren Preisplänen nutzbar. Auch das Verarbeiten und Umwandeln von Daten ist weniger flexibel. Wer viele Schritte in einer Automation braucht oder mit Webhooks und APIs arbeiten möchte, muss bei Zapier oft auf kostenpflichtige Upgrades zurückgreifen oder technische Umwege finden.

Die Oberfläche von zapier.com

🔧 Make.com: Freiheit für Tüftler

Make.com (früher Integromat) richtet sich an Nutzer, die mehr wollen – mehr Kontrolle, mehr Logik, mehr Technik. Der grösste Unterschied zu Zapier zeigt sich sofort in der Benutzeroberfläche: Statt einer linearen Schritt-für-Schritt-Anzeige arbeitet Make mit einem visuell aufgebauten Flowchart. Das ermöglicht komplexe Szenarien mit parallelen Abläufen, Filtern, Bedingungen und sogar Schleifen – fast wie in einem Baukastensystem für Logik.

Diese visuelle Herangehensweise ermöglicht eine deutlich grössere Flexibilität. Daten lassen sich präzise manipulieren, in verschiedenen Formaten darstellen und über Zwischenrechnungen anpassen. Make erlaubt auch in den günstigen Tarifen den Einsatz von Webhooks, HTTP-Requests und API-Verbindungen – ein riesiger Vorteil für alle, die mit individuellen Schnittstellen arbeiten oder Dienste einbinden möchten, für die es keine Standardintegration gibt.

Doch diese Freiheit hat ebenfalls ihre Tücken. Für absolute Einsteiger kann Make überwältigend wirken. Es braucht etwas Zeit, um sich in die Logik und Struktur der Szenarien einzuarbeiten. Auch ist nicht jede App sofort per Plug-and-Play eingebunden – manchmal braucht es technisches Know-how oder etwas Geduld bei der Einrichtung. Aber wer sich einmal eingearbeitet hat, wird mit einem mächtigen Werkzeug belohnt, das kaum Grenzen kennt.

Die Oberfläche von make.com

Die schnelle Übersicht

AspektZapierMake
BenutzerfreundlichkeitSehr einsteigerfreundlichAnspruchsvoller, aber visuell stark
Komplexität der AbläufeBegrenztSehr hohe Flexibilität
Preis-LeistungGut für einfache Zaps, schnell teuerGünstig bei komplexen Szenarien
API/Webhook-SupportEingeschränkt, nur in höheren PlänenStandardmässig verfügbar
DatenmanipulationGrundfunktionenSehr detailliert
App-IntegrationenÜber 6’000 IntegrationenRund 1’500, dafür technisch anpassbarer
Community & SupportGrosse Community, viele TemplatesTech-orientierte Community, starke Doku

Für mich war’s ein klarer Wechsel

Kurz gesagt: Zapier ist einfacher, Make ist mächtiger. Wer nur ein paar Apps verbinden will, fährt mit Zapier gut – solange das Budget mitmacht. Wer aber ernsthaft mit Automatisierung arbeitet oder arbeiten möchte, landet früher oder später bei Make.

Ich habe mit Zapier angefangen. Jahre lang. Es war einfach, schnell und solide. Aber irgendwann hat mich die Preispolitik genervt – und die Limitierungen bei komplexeren Automationen sowieso. Heute nutze ich Make.com für alles, was ich automatisieren kann: Mein Poster-Tool, mein Content-Recycling, meine Notion-Datenpflege. Es läuft, es kostet weniger, und ich weiss, dass ich nicht nach drei Schritten gegen eine Paywall renne.

Make ist nicht perfekt – aber es ist für meine Zwecke perfekt genug.

Übrigens: zu beiden Tools findest du schon diverse Artikel auf dem Publishingblog. Mach dir also dein eigenes Bild.

Was kommt als Nächstes?

Im nächsten Beitrag schauen wir uns an, warum ohne Webhooks gar nichts geht – und wieso sie das heimliche Rückgrat moderner Automatisierungen sind.

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