NFTs sind – wie alles, was aus der Blockchain-Welt durch die Medien schwappt – ein Hype. Künstler*innen können mit dieser Technologie das einmalige Nutzungsrecht an ihren Inhalten über die Blockchain verkaufen. Lässt man den Hype mal beiseite, könnten NFTs eine Revolution sein für die Publishing-Welt, in der Urheber- und Nutzungsrechte essentiell sind.

Hype-Thema NFTs

In den letzten Wochen hört man immer wieder von NFTs – sogenannten Non-Fungible Tokens. Künstler*innen aus aller Welt verkaufen die Nutzungsrechte an ihren Inhalten und erzielen dabei Höchst-Summen. Der Künstler Beeple hat beispielsweise das Recht an seinem Kunstwerk «Everydays» für 69 Millionen Dollar verkauft. Notabene sieht sein Kunstwerk aus wie der Startbildschirm meiner privaten iPhoto-Mediathek auf meinem Mac.

Aber bitte: Kunst ist, was Kunst ist.

Das Kunstwerk «Everydays» von Beeple (Quelle: The Verge)

Das Prinzip von NFTs entstammt der Blockchain-Welt und steht für «non fungible token». NFTs sind nicht austauschbare Tokens. Sie können nicht repliziert oder zerstört werden. Damit unterscheiden sich NFTs von den gängigen fungible Tokens, die hinter Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum stehen.

NFTs eignen sich also hervorragend dazu, das einmalige Nutzungsrecht an einem Bild, Text oder sonstigen Content zu dokumentieren, zu sichern und zu verkaufen. Während man in der analogen Welt ein Bild kauft und es physisch bei sich zuhause an die Wand hängt, ermöglichen NFTs dasselbe in der digitalen Welt.

Willst du schnell reich werden?

Dann mach es wie z.B. Emily Segal und profitiere schamlos vom Krypto-Hype. Bei ihr hat es mit den gängigen Vertriebskanälen nicht so recht geklappt. Einen Verlag fand sie nicht und der Selbst-Verlag über PDFs und Amazon E-Books kam nicht so recht zum Fliegen. Das liegt selbstverständlich nicht an ihren Manuskripten, sondern an der starren, ewig-gestrigen Publishing-Welt. Also bietet sie ihre (teilweise noch nicht geschriebenen!) Inhalte jetzt halt über NFTs an und hat sogar ein paar Deppen gefunden, die ihr das Einrichten der NFTs noch per Crowdfunding bezahlt haben. Denn das ist der einzige Hacken an dieser NFT-Welt: Das Einrichten eines NFT kostet Geld, Kryptogeld. Ethereum, um genau zu sein. Und das hat noch nicht jeder im Portemonnaie. Und es ist im Moment nicht ganz billig, Ethereum zu beschaffen.

(Persönliche Anmerkung) Ihr habt es meiner Wortwahl schon entnehmen können: ich stehe diesem Krypto-Hype sehr kritisch gegenüber. Mehr noch, es ist für mich ein Reizthema. Wenn Krypto drinsteckt, dann locken grosse Gewinne. Und wie immer, wenn Goldgräberstimmung herrscht, ist die Dekadenz nicht weit. Da wird investiert, was das Zeug hält. Viele haben die Dollarzeichen in den glänzenden Augen und werden zu Jägern des verlorenen Schatzes.

Was mich dabei stört? Wir fahren damit unsere Umwelt an die Wand! Denn diese völlig sinnbefreite Krypto-Bubble braucht Energie. Viel Energie. Und noch mehr Energie. Dimensionen mehr Energie als alles bisher Dagewesene.

Stand: 1.4.2021 / Publiziert auf nzz.ch / Quellen: DigiconomistBundesamt für Energie

Ich hoffe inständig, dass diese Absurdität bald crasht und wir wieder vernünftig über die Blockchain-Technologie reden können. Denn die hat es durchaus in sich.

Revolution für Rechte und Lizenzen

Die Idee hinter der Blockchain ist es, den Tausch und Handel von Assets zu vereinfachen und zu demokratisieren. Jeder kann direkt mit Währungen, Content und Lizenzen handeln, es braucht keine Mittelsmänner und -frauen mehr. Das hat eine hohe Sprengkraft für alle Dienstleistungsbereiche, die sich im Handel zwischenschalten und dabei ihren Obulus mitverdienen.

Für die Publishing-Branche hat die Blockchain-Technologie zwei Seiten:

Die schlechte Seite

Verlage könnten nun auch noch in ihrer Handelsfunktion obsolet werden. Crowdsourcing und immer geringere Herstellungskosten bringen bei Verlagen schon die Finanzierungs-Säule ins Wanken. Self-Publishing und einfach zugängliche Publikationswerkzeuge untergraben bei Verlagen die Herstellungs-Säule. Und nun könnte eben auch der Handel mit Rechten und Lizenzen, eine dritte wichtige Säule für einen Verlag – wegfallen. Künstler und Endkunden handeln in Zukunft direkt miteinander. Das ist einfacher und billiger. Da braucht es den Verlag nicht mehr.

Die gute Seite

Ein Verlag kann jetzt noch auf den Blockchain-Zug aufspringen. Denn selbstverständlich fällt der «man in the middle» auch in der neuen Welt nicht ganz weg. Der Handel mit Krypto-Assets ist technisch anspruchsvoll und im Moment noch schlecht zugänglich. Also braucht es auch da wieder Plattformen und Portale, die den Handel vereinfachen. So ploppen zur Zeit Portale zum Einstellen von NFT-Kunst aus dem Boden (Hype!).

Wie wäre es nun also, wenn ein Verlag die enorm unübersichtliche und aufwändige Verwaltung von Lizenz- und Urheberrechten mit Hilfe der Blockchain komplett neu aufrollt? Die Technologie macht es möglich, jede Art von Content in jeder Form zu tauschen und auch zu schützen. Dabei gewährleistet die Blockchain jederzeit die Nachverfolgbarkeit jedes Handelsschrittes. In der Theorie wird damit Raubkopien und Plagiaten ein Riegel geschoben. Bei jedem Schnipsel Content ist klar, wer Urheber ist und welchen Weg dieser Content schon hinter sich hat.

Hier sehe ich die Zukunft und den Nutzen von NFTs und von Blockchain-Technologien. Überwinden wir den Hype und die Umwelt-Probleme, dann beginnt der sinnvolle Einsatz dieser neuen Technologien.

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