Joa, da hat Adobe ja kräftig nachgelegt. Nachdem wir auf dem iPad in den letzten Monaten alle paar Wochen mal wieder eine neue Lightroom-Mobile-Versionen getestet genutzt haben, hat sich nun Adobe endlich auf eine Oberfläche festgelegt. Nicht unbedingt die Beste, die ich zu Gesicht bekommen habe, aber jenu, so ist es nun halt. 

Neu gibt es nun also definitiv eine hochoffizielle mobile Version, die nicht nur auf Tablets, sondern auch auf Smartphones und auf Laptops läuft. Ja, richtig gelesen: Lightroom CC bringt auf allen Geräten die gleiche Oberfläche mit. Weniger Buttons, mehr Schieberegler, stark vereinfachte, wenn auch eingeschränkte Funktionen. Für mich am schmerzhaftesten: das fehlende Geotagging auf mobilen Geräten. Warum nur, Adobe…

Der neue Workflow

Die mobile Version setzt voll auf die Cloud. Egal, auf welchem Gerät man Fotos macht oder importiert, die Bilder landen auf einem Cloudserver. Das hat den Vorteil, dass sie überall verfügbar sind, dass man sich nicht um die Datenorganisation kümmern muss und dass Adobe obendrein die Bilder noch analysieren kann. Je nach Betrachtung ist das die neue intelligente Sensei-Funktion oder ganz einfach die Datenkrake, die nun auch noch unsere Fotos auswertet.

Der klassische Workflow

Für Nostalgiker oder ganz einfach für alle, die gerne Kontrolle über ihre Daten und ihren Workflow haben, gibt es die Classic-Version von Lightroom weiterhin. Viel Neues konnte ich nicht entdecken, am Tempo wurde aber endlich und kräftig geschraubt. Frisch wie ein junges Rehlein galoppiert Lightroom über meinen Bildschirm. Danke, Adobe, das hilft tatsächlich. Zur gefühlten neuen Schnelligkeit trägt auch der Umstand bei, dass man beim Importieren endlich auf die JPEGs zurückgreifen kann, die eh jede Kamera zu jedem RAW-Bild generiert. So ist man schnell startklar, kann sortieren und taggen und im Hintergrund rendert Lightroom dann in Ruhe die Vorschaubilder, die dann auch farbgetreue Korrekturen gestatten.

Jeder so wie er mag

Ich finde diese Neuaufstellung sehr gut. Ich danke Adobe, dass sie mir das klassische Lightroom nicht nehmen. Ich fluche zwar ab und zu, ich find das Progi eigentlich saumässig kompliziert und es hat ziemlich viele Funktionen, die ich nie brauchen werde (Buch, Print, Web, etc.). Aber der Workflow passt für mich und ich hab damit tatsächlich die Kontrolle über meine wachsende Fotobibliothek.

Die Cloudversion begrüsse ich aber durchaus auch. So kann ich in meinem Hauptkatalog schnell eine Sammlung anlegen, diese in die Wolke pushen und dann wirklich auf jedem Gerät mit der Bearbeitung, Bewertung und Organisation beginnen. Das ist cool und funktioniert auch richtig gut. Neu kann ich eben auch auf dem Laptop an meinen Fotos arbeiten und muss nicht umständlich einen Teil meines Katalogs exportieren und später wieder importieren.

Nebenbei: so macht mir auch Adobes Abo-Strategie Spass. Ich mein, gestern war ja irgendwie Weihnachten, denn es wurden ja praktisch alle Programme der Creative Cloud kräftig überarbeitet. Ist schon schön, wenn man da ohne weiteres Zutun einfach alle neuen Funktionen zur Verfügung hat.

Bandbreite gesucht

Für mich gibt es nur einen Kritikpunkt an der Cloudstrategie: ich fotografiere im RAW-Format. Je nach Kamera und Sensor umfasst so ein Foto 15-30MB. EIN Foto. Und Adobe lupft die Dinger nun reihenweise in die Cloud. Der Speicherplatz ist nicht das Problem. Aber der Durchsatz. Mein WLAN geht da schon mal kräftig in die Knie. Ganz zu schweigen von Hotel-WLANs, wenn man unterwegs ist. Wenn ich da an meine diesjährige Kolumbien-Reise denke 🙂

Da ist die Freude im Hotel gross, wenn der Swiss Gringo mit seinem Laptop antanzt und allen mal kurzerhand die Bandbreite klaut.

Denn nach so einem Reisetag wuppt man dann ja schnell mal ein GB Bilddaten in die Cloud. Diese Strategie finde ich schon bei Apple mit der iCloud grenzwertig. Da sind es aber normalerweise nur JPEGs, die in die Cloud wandern. In der Lightroom Cloud hat das eine ganz neue Dimension und da muss ich jetzt erst mal ein paar Erfahrungen machen, bis ich mich entscheiden kann, ob ich das gut finde.

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