Vor einiger Zeit hat Kollege Christian hier auf dem Publishing-Blog einen interessanten Beitrag gepostet: er hat JSON-Files verwendet, um in ChatGPT Bilder nach der immer gleichen Struktur zu erzeugen. Das hat mich auf den Gedanken gebracht: Kann man sich dieses Prinzip auch für die Textgenerierung zu Nutze machen? Denn da möchte man ja vielleicht auch mehrere Texte erstellen, die einer bestimmten Struktur folgen – mit wechselndem Inhalt natürlich. Da wäre ja so ein JSON-Input auch ganz nützlich
Was JSON-Prompts sind (und warum sie so mächtig sind)
Nochmals ganz kurz: JSON (JavaScript Object Notation) ist ein Datenformat, das Informationen in einer hierarchischen, maschinenlesbaren Struktur organisiert. Statt ChatGPT einen langen Fliesstext als Anweisung zu geben, lieferst du ihm ein strukturiertes Schema mit klaren Parametern.
Der entscheidende Vorteil: Du kommunizierst nicht nur WAS du willst, sondern auch WIE es strukturiert sein soll – und das in einer Sprache, die KI-Systeme besonders gut verstehen. Das könnte dann zum Beispiel so aussehen.
{
"contentType": "botanyFlashcard",
"plant": {
"latinName": "",
"germanName": "",
"botanicalDescription": {
"appearance": "",
"height": "",
"leaves": "",
"flowers": "",
"fruits": "",
"habitat": ""
},
"botanicalClassification": {
"kingdom": "Plantae",
"division": "",
"class": "",
"order": "",
"family": "",
"genus": "",
"species": ""
},
"uses": [],
"interestingFacts": []
},
"imagePrompt": "Detaillierte botanische Illustration von [PFLANZENNAME]",
"noteFormat": {
"frontContent": "Bild und deutscher Name",
"backContent": "Lateinischer Name, Beschreibung und Klassifikation"
}
}
In diesem Beispiel stelle ich mir Lernkarten für Pflanzen zusammen. Immer mit der gleichen Struktur. ChatGPT sucht mir dann die gewünschten Informationen zusammen und fügt sie in die Lernkarte ein. Wenn ich das automatisiere und ChatGPT eine Liste von den gewünschten Pflanzen gebe, dann würden mir die Lernkarten in einem Rutsch erstellt.
Die Vorteile der JSON-Methode
1. Konsistenz über mehrere Inhalte hinweg
Wenn du regelmässig ähnlich strukturierte Inhalte produzierst ist Konsistenz Gold wert. Mit einem JSON-Template erstellst du eine wiederverwendbare Vorlage, die dir immer die gleiche Struktur liefert. Du änderst nur die inhaltlichen Parameter, während Aufbau, Ton und Format konstant bleiben.
2. Präzisere Steuerung der KI
Die hierarchische Struktur von JSON erlaubt dir, sehr spezifische Anweisungen für jeden Teil deines Inhalts zu geben. Du kannst detailliert festlegen, welche Elemente in der Einleitung erscheinen sollen, wie viele Zwischenüberschriften der Hauptteil haben soll oder welche Call-to-Actions am Ende stehen sollen.
Im Gegensatz zu einem Fliesstext-Prompt, bei dem die KI selbst entscheiden muss, wie sie die Anweisungen interpretiert, gibt ein JSON-Prompt eine klare Blaupause vor.
3. Bessere Fehlerkorrektur
Wenn das KI-generierte Ergebnis nicht deinen Vorstellungen entspricht, ist es mit JSON-Prompts viel einfacher zu identifizieren, wo genau das Problem liegt. Statt den gesamten Prompt neu zu formulieren, kannst du gezielt den problematischen Parameter anpassen.
Beispiel: Ist die Einleitung zu lang? Dann ändere nur den Parameter "introductionLength". Ist der Ton zu förmlich? Passe nur den "tone"-Parameter an.
4. Workflow-Integration und Skalierbarkeit
Der wahre Mehrwert von JSON-Prompts zeigt sich, wenn du sie in deinen Workflow einbindest. Mit einem Tool wie Zapier oder Make.com kannst du:
- automatisch Content-Briefings in JSON-Format umwandeln
- die Ergebnisse direkt in ein System einspeisen
- Serien von Inhalten generieren, indem du nur die Variablen änderst
5. Leichtere Zusammenarbeit im Team
In einem Content-Team wird die Verwendung von JSON-Prompts zur gemeinsamen Sprache. Anstatt jedem Teammitglied zu erklären, wie es mit der KI kommunizieren soll, gibt es eine standardisierte Vorlage, die alle nutzen können. Das spart Zeit bei der Einarbeitung und verbessert die Qualität der Ergebnisse über das gesamte Team hinweg.
Wie erstelle ich selbst solche JSON-Prompts?
Du kannst solche JSON-Prompts einfach selbst erstellen. ChatGPT hilft dir dabei.
- Überlege dir das Endprodukt und analysiere es, um wiederkehrende Muster, Strukturen und Tonalität zu identifizieren. Dies bildet die Grundlage für dein JSON-Template.
- Gib deine Wünsche in ChatGPT ein und bitte um den passenden JSON-Code. Teste diese Vorlage und schau, ob das Resultat deinen Vorstellungen entspricht.
- Verfeinere dein Template basierend auf Testergebnissen und passe Parameter nach Bedarf an.
JSON als universelles Kommunikationsmittel mit KI
JSON-Prompts sind nicht nur ein technisches Gimmick, sondern ein fundamentaler Ansatz, um mit KI-Systemen auf einer strukturierteren Ebene zu kommunizieren. Sie bringen Ordnung in das manchmal chaotische Hin und Her mit ChatGPT & Co. Sie eignen sich für die Generierung von jeglichen Inhalten, sein es Bilder, Texte oder auch Code.
Besonders für Teams in Verlagen, Redaktionen oder Content-Abteilungen bietet dieser Ansatz enormes Potenzial: Er standardisiert die KI-Nutzung, macht Ergebnisse vorhersehbarer und spart letztlich wertvolle Zeit bei der Content-Erstellung.
Mein Tipp: Starte mit einem einfachen Template. Sobald du die Grundprinzipien verstanden hast, kannst du dich Schritt für Schritt steigern.
Beispiel für eine ausgefüllte Lernkarte