Unsere Arbeit am Computer ist – obwohl die Geräte immer schneller und leistungsfähiger werden – eigentlich seit je her gleich organisiert: Wir starten ein Basissystem – sei es OS X, Windows, Linux, ChromeOS oder was auch immer. Um dann eine bestimmte Arbeit zu erledigen brauchen wir eine App. Wenn wir Texte schreiben wollen, greifen wir zu einer Textverarbeitung. Wenn wir Bilder bearbeiten wollen, dann nutzen wir ein Grafikprogramm. Wenn wir rechnen wollen, dann öffnen wir die Tabellenkalkulation.

Warum ist das so?

Dieses Prinzip ist tief verankert und hat es vom Desktop-Rechner auch auf mobile Geräte geschafft. Dort wurde es teilweise sogar noch akzentuiert. Während man am Desktop gewohnt ist, mehrere Apps im Multitasking parallel zu nutzen, findet man sich auf mobilen Geräten oft in einer einzigen ganz spezifischen App: Mails checken, Termine eintragen, telefonieren, im Web surfen. Dazu startet man eine App, die dann den Bildschirm komplett einnimmt.

Dieses Prinzip erscheint uns logisch. Dabei stammt es noch aus der PC-Urzeit, wo man – um eine App zu laden – erst mal ein ganzes Set von Disketten einschieben musste, um das Programm in den Arbeitsspeicher zu laden. Später fielen die Disketten weg. Da der Arbeitsspeicher aber immer noch kostbar war, blieb das Prinzip, dass man sparsam mit dem RAM umgehen musste. Apps werden ins RAM geladen, wenn sie gebraucht werden, danach werden sie wieder in den inaktiven Hintergrund geschoben.

Dasselbe beim Internetzugang: Vor Jahren musste man das Modem anwerfen, wenn man ins Netz wollte. Das dauerte seine Zeit und war teuer. Man hat also die Datenleitung nur eingeschaltet, wenn man sie für einen Task unbedingt brauchte.

Diese Einschränkungen fallen heute zunehmend weg. Wir sind ständig und überall online. Unsere Geräte sind zudem dermassen leistungsfähig, dass knapper Arbeits- oder auch Festplatzspeicher kein Thema mehr ist.

Macht das überhaupt Sinn?

Warum soll ich mir als Anwender:in immer zuerst überlegen müssen, was ich machen will, um dann die richtige App für diesen Zweck auszuwählen und zu öffnen? Das sind sehr viele Schritte und sehr viel Knowhow, bevor ich überhaupt mit meiner kreativen Arbeit beginnen kann. Ich muss wissen, wie man Apps installiert. Ich muss Dateiformate kennen. Ich muss die installierten Apps mit Namen kennen und genau wissen, zu was sie dienen. Dann muss ich die App auf meinem Gerät finden und starten. Erst dann kann ich kreativ loslegen.

Warum muss ich als Anwender all diese Apps kennen?

Warum muss ich zudem ein Betriebssystem beherrschen und updaten, das eigentlich nur dazu dient, meine Apps zu organisieren und zur Verfügung zu stellen?

Warum bin ich eigentlich immer solo auf einem Rechner unterwegs? Mein Rechner, mein Tablet, mein Smartphone, meine App. Wäre der Bedarf nicht eigentlich der, dass man viel mehr gemeinsam an etwas arbeitet und Apps eben gemeinsam nutzt?

Und wo entsteht eigentlich die Idee, etwas zu tun und somit eine App zu nutzen? Es ist ja nicht so, dass ich auf meinem Gerät ein wenig durch die installierten Apps scrolle und dann entscheide, dass ich doch mal ein Video schneiden könnte. Ideen entstehen im Alltag, in Situationen, oft in Gesprächen oder bei Arbeiten im Team.

Warum also nicht anders?

Da ist es nur logisch, dass Entwickler dieses funktionale App-Prinzip hinterfragen. Microsoft beispielsweise stellt sich unsere digitale Arbeit in Zukunft ganz anders vor: kommunikationsgesteuert.

Die Kommunikation – sei es ein Chat, ein Videocall oder einfach ein Telefonat – ist unsere eigentliche Benutzeroberfläche, unser neues Betriebssystem. Die Kommunikation leitet unseren Alltag, durch Kommunikation lernen wir, kommen wir auf Ideen. Und über die Kommunikation organisieren wir unsere (kollaborative) Arbeit.

Folgerichtig braucht es in Zukunft vielleicht gar kein Windows mehr. Nur noch Microsoft Teams. Und das Internet. Ähnlich wie ChromeOS betreibt man Teams als Portal, das einem aber eigentlich nichts anderes als einen ständigen Internet-Arbeitsplatz zur Verfügung stellt. Apps gibt es in der bisherigen Form nicht mehr, vielmehr spricht Microsoft von «Logic» – von funktionalen Bausteinen, die je nach Bedürfnis geladen werden. Ich brauch kein Office-Paket mehr sondern nur noch Funktionen, mit denen ich Texte erstellen, Bilder malen oder Zahlen bearbeiten kann. Je nach Bedarf setze ich diese Logik-Bausteine in meiner Kommunikation ein. So entstehen Daten, die wiederum in der Cloud gespeichert werden. Diese Daten gehören mir oder einem Team und darum braucht es auch noch einen Identity-Layer, über den wir identifizierbar sind.

So sieht die Microsoft Cloud in Zukunft vielleicht aus. Microsoft Teams ist dabei das neue Betriebssystem.

Tönt im Moment alles noch ein wenig abstrakt. Ich finde das Konzept aber eigentlich noch schlüssig. Ich bin gespannt, was da auf uns zukommt und wie die verschiedenen Tech-Hersteller sich neben ihrem eigenen Universum dann auch noch die Gesamt-Galaxie vorstellen. Als Anweder:in wäre es dann doch sehr mühsam, wenn ich mich in viele verschiedene Universen eindenken müsste.

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