Heute wird an verschiedenen Orten der Schweiz der erste nationale Digitaltag begangen. Unter dem Hashtag #digitalday kann das Twitterprotokoll des Tages nachgelesen werden. Der Hashtag #ichbindigital führt dann noch zu einigen persönlicheren Statements. Gut. Aber….

Ein paar Gedanken mache ich mir dazu schon. Und ich erlaube mir, diese hier im Blog zur Diskussion zu stellen.

Nur Werbung

Zum ersten möchte ich mal festhalten, dass die heutige Aktion nichts weiter ist als eine gigantische Marketing-Aktion. Roboter, VR-Brillen, Chatbots und Hochglanzbroschüren (sic!) beherrschen die Szene. So ziemlich jede Hype-Technologie ist in der grossen Halle im Hauptbahnhof Zürich vertreten. Passenderweise unter der ebenfalls schon angebrachten Weihnachtsmarkt-Dekoration. Geschenkideen und Weihnachtswünsche. Die Digitalisierung als Spielzeugladen für Leute und Firmen mit viel Geld.

Auffällig (bzw. intransparent) ist, wer den #digitalday ausrichtet: staatsnahe Betriebe, Grosskonzerne sowie Startups, die entweder aus den obigen Betrieben entstanden sind oder deren Geschäftsmodell daraus besteht, dann mal irgendwann von einem der obigen Betriebe geschluckt zu werden. Die Medien sind an vorderster Front mit dabei, allerdings sind auch hier nur die grossen Medienhäuser vertreten.

Mich beschleicht das dumpfe Gefühl, dass da auch noch der eine oder andere Steuerfranken in diese Sause geflossen ist.

Was fehlt?

Zunächst fehlen bei der ganzen Aktion die KMUs, die kleineren und mittleren Unternehmen, die nach wie vor zentrale Bedeutung in der Schweizer Wirtschaft innehaben. Haben die möglicherweise keine Zeit für solchen Marketing-Schnickschnack? Oder kein Geld?

Dann fehlen mir die wirklich relevanten Themen, die etwas komplexer sind als lustige VR-Reisli durch utopische Zukunftswelten. Was macht die digitale Transformation mit unserer Gesellschaft, mit unserer Demokratie? Wer bezahlt die digitale Transformation? Wie steht es um Grundrechte und Datenschutz? Wie muss sich unser Ausbildungssystem auf die neuen Anforderungen ausrichten und welche Anforderungen sind das überhaupt?

Dann fehlen mir konkrete Aktivitäten, um die Grundlagen für die digitale Transformation zu schaffen. Heute haben wir noch nicht einmal das Problem einer elektronischen Identifikation gelöst. ETH und PH streiten sich um Ausbildungskonzepte. Bei der sogenannten Digitalisierung sind wir grossen Playern wie Google, Apple, Microsoft oder Amazon hoffnungslos ausgeliefert.

gesucht: ein neues Mindset

Denn: uns fehlen originäre Ideen und Geschäftsmodelle. Alles, was wir zur Zeit abbilden, gibt es schon. Entweder im angelsächsischen oder dann im asiatischen Raum. Wir eifern nach, wir kopieren, wir versuchen, den Anschluss nicht zu verlieren. Was aber die digitale Transformation für eine Schweiz bedeutet, die heute vor allem vom Dienstleistungssektor lebt, bleibt unklar. Uns fehlt das notwendige Mindset und wir haben keinen Plan, wie wir der Zukunft begegnen wollen.

#ichbindigital

Sicherlich gibt es zu diesen Themen am heutigen #digitalday mehrere Gedanken und Aussagen. Die gehen aber im Chilbi-Getümmel völlig unter.

An diesem #digitalday, der auf einem der ältesten Geschäftsmodelle fusst: mit opulentem Marketing an einer Messe seine Produkte verkaufen.

#ichbindigital, weil ich mich von dem ganzen Marketing nicht blenden lasse, sondern in meinem Umfeld heute und auch morgen nach neuen Mindsets und meinem Platz in ebendiesen suche.

Übrigens: ich kenne die «Tageswoche» nicht wirklich, habe da aber einen lesenswerten Artikel gefunden, der mich nachhaltig beeindruckt hat: https://tageswoche.ch/form/kommentar/schweizer-digitaltag-eine-reine-propaganda-schau

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