Ja, die Sache mit den Touch-Monitoren. Letzte Woche hat Dell die CES dazu benutzt, ein neues Produkt vorzustellen. Der Publishing-Blog hat schon darüber berichtet. Dell will Tastatur und Maus durch eine grosse Glasplatte ersetzen, die man vor sich aufs Pult legt. «Canvas» heisst das neue Eingabegerät und auf den ersten Blick scheint das Konzept ziemlich gelungen.

Mitunter ist das Konzept aber nicht neu: Wacom hat ähnliche Systeme seit Jahren im Angebot. Auch Microsoft hat kürzlich sein Surface Studio vorgestellt, bei dem die Eingabe nicht mehr ausschliesslich per Tastatur, sondern neu mit dem Finger direkt am Monitor erfolgt. Und Apple bereitet mit dem iPad Pro und dem Apple Pencil wohl ebenfalls ein neues Eingabekonzept vor. Mal ganz abgesehen davon, dass wir seit nunmehr 10 Jahren unsere Smartphones und Tablets eh nur noch mit dem Finger bedienen.

 

Das Jahr 2017 bringt somit einige interessante Konzepte hervor, welche die schon leicht angestaubte Kombination von Rechner, Bildschirm, Tastatur und Maus ablösen könnten. Schauen wir uns die verschiedenen Ansätze kurz an.

Canvas von Dell

Die Lösung von Dell ist quasi ein Monitor, den man vor sich aufs Pult legt und über den man dann mit Finger, Stift und einem Handschmeichler namens Totem seine Eingaben macht. Die Glasplatte selbst ist relativ «dumm», sie muss mit einem externen Rechner verbunden werden und zur Anzeige empfiehlt Dell einen klassischen Monitor, den man ebenfalls vor sich aufstellt. Somit braucht es dann auch noch ein paar Kabel für Stromversorgung und für die Anbindung von Rechner und Monitor – diesen Kabelsalat versteckt Dell elegant in den vorliegenden Produktvideos.

Das Gerät selbst ist mit den Cintiq-Geräten von Wacom vergleichbar und nutzt offenbar auch deren Technologie. Der Stift stammt jedenfalls von Wacom. Somit ist sicher mal garantiert, dass das Stift-Feeling exzellent ist. Dell hat zum Beispiel aus Wacoms Erfahrung gelernt und überzieht den Glasbildschirm mit einer matten Folie, die einerseits Spiegelungen verhindert, aber auch eine griffige Oberfläche schafft, über die man ein besseres Schreibgefühl hat. Nun greift man also zum Stift und legt los. In den Demos sind das übrigens immer Profi-Illustratoren, die mit ein paar einfachen Strichen kleine Kunstwerke kreieren. Wenn man dann selber zum Stift greift, dann sieht man recht schnell, dass neue Technologie nicht bestehendes Talent nicht ersetzt.

Canvas von Dell (Bild: Dell) Canvas von Dell (Bild: Dell)

Aber zurück zu Canvas: Mir scheint das Konzept sehr interessant und einleuchtend. Man kann mit den Händen am Computer etwas erschaffen und das in einer bequemen, vertrauten Körperhaltung. Wie wenn man auf Papier schreibt und zeichnet. Etwas skeptisch bin ich diesem Eingabe-Puck, den man in der linken Hand hält. Wäre es nicht einfacher, wenn ich die Zeichenoberfläche mit meinen Fingern skaliere oder drehe? Und die Farbwahl wäre ja mit dem Stift auch schnell erledigt. Irgendwie sehe ich den Sinn des Totems noch nicht, aber das müsste man dann wohl mal ausprobieren.

Gänzlich unklar ist mir übrigens noch, wie man mit Canvas schreibt. Irgendwann möchte man ja den Stift auch weglegen und in die Tasten hauen. Das hingegen funktioniert meiner Erfahrung nach auf einer planen Glasplatte gar nicht gut. Kein Feedback, keine Haptik. Kein Grip.

Microsofts Surface Studio

Nun hat ja auch Microsoft unlängst ein interessantes Konzept vorgestellt: das Surface Studio. Hier nimmt man einen All-in-One-Rechner und kombiniert diesen mit einem Touchmonitor. Dazu gesellt sich eine clevere Aufhängung, die das neue Gerät perfekt ausbalanciert. So kann man den Touchmonitor nach Bedarf senkrecht vor sich aufstellen und mit Tastatur und Maus bedienen. Oder man legt das Gerät leicht angewinkelt vor sich aufs Pult und bekommt so eine digitales Zeichenbrett.

Surface Studio von Microsoft (Bild: Microsoft) Surface Studio von Microsoft (Bild: Microsoft)

Durchaus ein interessantes Konzept, im Vergleich zur Lösung von Dell übrigens auch noch wesentlich besser aufgelöst. Bloss sehe ich in diesem Konzept noch einen Haken: Man muss sich für eine Arbeitsposition entscheiden, bzw. ständig die Position wechseln. Was nämlich im Alltag überhaupt nicht funktioniert, ist das vertikale Touchprinzip. Man schreibt auf einer Tastatur, ist im Flow, die Hände sind in der Tastaturstellung fokussiert – und nun muss man eine Hand heben, um am vertikalen Bildschirm schnell die Cursorposition zu wechseln oder einen Button zu drücken. Das reisst einem völlig aus dem Flow heraus. Der Weg ist viel zu gross. Da ist der Einsatz einer Maus definitiv die bessere Option. Kein Wunder, ist die Maus als Eingabegerät seit Jahren ungeschlagen. Ein vertikaler Touchbildschirm ist somit beim Schreiben völliger Unsinn.

Beim Zeichnen und Malen kommt ein vertikaler Touchbildschirm einer klassischen Staffelei zwar nahe, aber dann kommt einem wieder die Tastatur in den Weg, die noch davor liegt. Das gibt zu viel Distanz zum Monitor und wird schnell anstrengend. Also legt man den Bildschirm flach und hat so wie bei Dell eine schöne Zeichenfläche. Bloss ist nun die Tastatur wieder weit weg oder sorgt auch hier wieder für eine unnatürliche Distanz zum Zeichenbrett. Bei Dell fehlt die Tastatur, was mir natürlicher erscheint.

Und Apple?

Cupertino verweigert sich bei Laptops und Desktop-Bildschirm den Touchsystemen. Das gilt momentan als rückständig und nicht sehr innovativ. In Tat und Wahrheit kann ich der Entscheidung aus obigen Ergonomie-Problemen aber etwas abgewinnen. Ein Macbook oder iMac mit Touchbildschirm macht tatsächlich wenig Sinn.

Mit der neuen Touchbar bei den MacBooks Pro trägt Apple dem Umstand Rechnung, dass man während dem Schreiben auf der Tastatur zwar manchmal ein wenig Touch braucht, aber der Weg für die Finger nicht gross sein soll. Die Touchbar lässt sich bedienen, ohne dass man die Hände von der Tastatur heben muss. Und vergessen wir nicht die Trackpads, die Apple schon seit Jahren verwendet und die bei neuen Geräten immer Grösser werden. Momentan sind die Trackpads noch blinde Flächen, ich würde aber sehr viel drauf verwetten, dass das Prinzip der Touchbar in nicht allzuferner Zukunft auf die Tackpads ausgeweitet wird. Ich werde auf den zukünftigen Trackpads wahrscheinlich sehen, was ich mache und vor allem werde ich wohl mit dem Apple Pencil darauf schreiben können. Bis es soweit ist, hat Apple eine ganz andere interessante Gerätekombination am Start. Man nehme ein Macbook oder ein iMac und kopple dazu ein iPad Pro mit Apple Pencil. Dann hat man alles, was man braucht. Den vertikalen Bildschirm vor sich auf Augenhöhe (das Genick wird es danken), eine Tastatur zum Schreiben auf dem Pult. Das grosse Trackpad ermöglicht die Touchbedienung nahe bei der Tatstatur. Und neben dem Rechner liegt das iPad, auf dem ich Malen, Zeichen und Schreiben kann. Der Apple Pencil scheint mir dabei einem Wacom-Stift absolut ebenbürtig zu sein. Allenfalls stört die etwas gar glatte Glasoberfläche des iPads.

Ein Macbook (noch ohne Touchbar) mit einem iPad und Astropad (Bild: Astropad) Ein Macbook (noch ohne Touchbar) mit einem iPad und Astropad (Bild: Astropad)

Ach ja, damit dieses System funktioniert, braucht es auch noch eine App, die (noch) nicht von Apple selbst stammt. Astropad. Aber auch hier würde ich in die Glaskugel schauen und schon mal prophezeien, dass zukünftige Betriebssysteme diese Kopplung von Haus aus unterstützen.

Was meinst du? Mit welchem System könntest du am besten produktiv sein? Dell, Microsoft oder Apple?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.